Wieso ernähren sich Menschen nicht vegan?

Es gibt viele Gründe, wieso Menschen sich dazu entscheiden vegan zu leben. Viele überzeugende Gründe liegen auf der Hand und werden immer populärer. Es stellt sich die Frage, woher die Abneigung und scharfe Kritik gegenüber dem Veganismus kommt und welche Gründe es gibt, wieso Menschen sich nicht vegan ernähren möchten, wenn bekannt ist, dass es aus ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Aspekten wirksamer wäre dies zu tun.

Einer der ausschlaggebendsten Gründe gegen den Veganismus sind die Mythen, Halbwahrheiten und Vorurteile, die über ihn herrschen. Es gibt unzählige Argumente, die wissenschaftlich weder belegt, noch auf schlüssigen Thesen basieren. Dennoch sind sie fest in unserer Gesellschaft verankert und werden immer wieder angeführt. Von der Gefahr der Mangelernährung, über die Natürlichkeit der Tierausbeutung bis hin zur Sojakontroverse sind in allen Bereichen negativ besetzte Argumente vertreten.

Doch warum entstehen sie? Und woher kommen sie?

Eine Vielzahl an Faktoren beeinflussen jeden Menschen und haben dementsprechend Auswirkungen auf die Einstellungs- und Meinungsbildung, sowie die Vorurteilsentstehung. Dazu gehören die Kultur, die Erziehung, die Tradition, die Bildung, die Politik, die Historie, die Wirtschaft, der Glaube, die Medien und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Ideologien und Glaubenssysteme.

Im Laufe des Lebens erlernt jede*r eine Ideologie, die er/sie als normal, richtig und leitend wahrnimmt. Diese Ideologie ist mit Werten, Überzeugungen und Moralvorstellungen besetzt, die antrainiert werden. Die Ideologie, die in unserer Gesellschaft vorherrscht, ist die des Karnismus. Er besagt, dass es normal, natürlich und notwendig ist, dass wir Tiere essen und ausbeuten. Er rechtfertigt sich auf den Grundzügen des Speziesismus, der die Spezies aller anderen Tiere, bis auf die des Homo Sapiens diskriminiert, weil falsche, glaubensgeleitete Rechtfertigungen über sie in der Gesellschaft geprägt wurden. Diese Glaubenssysteme sind in allen Bereichen verankert. Sie werden von den Medien, Institutionen, Bildungsstätten und der Politik unterstützt. Sie alle halten ein Konstrukt aufrecht, dass so normal scheint, dass es niemand hinterfragt. Dabei bemerkt kaum jemand, dass diese Ideologien veraltet, wissenschaftlich überholt und vor allem nicht mit unserer angeborenen Empathie im Einklang steht. Sie wurden nie angepasst. Sie stammen aus einer Zeit, in der die Menschen nicht wussten, dass Tiere uns ähnlicher sind, als wir glauben wollen, Tiere ein zentrales Nervensystem, Gefühle und Emotionen haben oder Leid, Schmerz, Liebe und Zuneigung fühlen, sie den Wunsch nach Leben verspüren und es ihnen sehr wohl etwas ausmacht, wenn sie getötet werden.

Sie stammen aus einer Zeit, in der die Massentierhaltung kein Alltag war und Menschen auf tierische Produkte angewiesen waren. Sie stammen aus einer Zeit, in der noch keine Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen von tierischen Produkten bekannt waren und es noch keine Alternativen gab. Sie stammen aus einer Zeit, in der die Menschen sich selbst um ihre Nahrung gekümmert haben und die Verbindung zu dem Tier nicht verschleiert oder beschönigt wurde. Sie stammen aus einer Zeit, in der Tiere noch in ihren Lebensraum lebten und die ökologischen Auswirkungen der Tierzucht noch nicht bekannt waren.

Die Menschheit hat sie in allen Bereichen des Lebens weiterentwickelt. Früher galt Vergewaltigung, Krieg, Versklavung, Rassismus, Unterdrückung und andere Verbrechen als normal. Diese furchtbaren Praktiken werden heutzutage, im Gegensatz zum Morden von Tieren, als nicht tolerierbar und verachtend angesehen. Schließlich haben sich Denkmuster und Einstellungen, aber vor allem Rechte geändert, die diesen Praktiken entgegenstehen. Da der Konsum von Tieren jedoch nur durch Gewalt aufrechterhalten werden kann, wird alles dafür getan, dass diese als gerechtfertigt angesehen wird. Unsere Gesellschaft bezieht sich auf alte Umweltbedingungen und ignoriert neue Erkenntnisse um ein System zu rechtfertigen, dass schon längst nicht mehr unserer Intelligenz, unseren Rechten, unserem Moralverständnis und unserer Menschlichkeit gerecht wird. Einzig und allein in Bezug zu Tieren wird ein anderes Wertesystem zu Grunde gelegt. Dieses verzerrt unsere Wahrnehmung, die nämlich sonst nicht zu unseren antrainierten Überzeugungen passen würde. 

„Anders“ ist uns fremd, wir haben daher Gruppen entwickelt um uns zugehörig und sicher zu fühlen und um uns und andere einordnen zu können und die Welt zu verstehen.

Wir gehören alle sozialen Kategorien an. Sie leiten unsere Identität und definieren uns. Wir ordnen uns selbst und andere immer unterbewusst bestimmten Stereotypen und Schubladen zu. Die soziale Identität, die jemand besitzt kann sich im Laufe des Lebens ändern. Doch in den meisten Fällen übernehmen wir die Eigenschaften der Eigengruppe, mit der wir aufgewachsen sind, da wir diese kennen und uns vertraut vorkommt. Sie gibt uns Halt und einen Platz, an den wir gehören. Daher sehen wir diese Prägung in der Eigengruppe als das einzig Richtige und Normale an. Die Gruppenzugehörigkeit, die Sicherheit in dieser, die Selbstkategorisierung und unsere Identität, die wir über diese bezeichnen, führen zu einem starken Zugehörigkeitsgefühl, dass mit vielen Emotionen behaftet ist. Gleichwohl, ob es der Lieblingsfußballverein, der Urlaubsort aus Kindheitstagen, die politischen Interessen, die berufliche Richtung, die kulturellen Interessen oder eben die Essgewohnheiten der Familie sind, wir übernehmen diese sozialen Gruppen und Identitäten.

Diese Aneignung ist per se nicht schlecht, um den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Doch die kritische Beobachtung, das Hinterfragen, das Reflektieren und das daraus resultierende Handeln bedarf Mut und Stärke, die wir oft nicht haben. Es ist enorm schwierig aus etwas auszubrechen, von dem man evtl. sein ganzes Leben etwas anderes gedacht hat. Sich selbst einzugestehen, dass der Weg nicht der war, der vorgelebt wurde, nicht der, an den man geglaubt hat und das dieser nicht stimmt, ist ein charakterlicher Umbruch, der um so schwerer fällt, wenn man sich mit der Eigengruppe sehr stark identifiziert.

Die Ideologie des Karnismus und des Speziesismus sind nicht nur Glaubenssysteme, mit denen wir aufgewachsen sind, sondern sie gehören zu unserer sozialen Identität. Das führt dazu, dass alle anderen Vorstellungen von Normalität als fremd betitelt werden. Andere gelten dann als Fremdgruppe. Die Folge ist, dass man sich in der Eigengruppe, die immerhin die eigene Identität widerspiegelt, unwohl, bedroht und angegriffen fühlt.

Es liegt in unserer Natur alles dafür zu tun, dass die eigene Gruppe besser dasteht und dadurch die Fremdgruppe ausgeschlossen wird. Denn Kritik an anderen auszuüben ist deutlich einfacher, als die eigene Gruppe zu hinterfragen. Diese Kritik äußert sich schließlich in Vorurteilen, überzogenen Stereotypen, negativen Einstellungen und Abneigung gegen diese Fremdgruppe. Dieser starke Versuch eine Gruppe, die stark in der Minderheit liegt, schlechter dazustellen, begründet sich in der ernsthaften Bedrohung, dass das eigene Weltbild und somit die Eigengruppe zu bröckeln beginnt. Daher tun wir alles dafür, die omnivore Ernährung in den Medien, der Werbung, der Politik, der Kultur, der Industrie und im privaten Kreis als einzig Richtige und natürliche Ernährung darzustellen. Dies gibt ein Gefühl von Sicherheit, ein bestätigendes Gefühl, dass uns nicht zum Nachdenken verleiten soll. Indem über die vegane Ernährung negative Schlagzeilen, unwissenschaftliche Aussagen und unzählige Vorurteile überwiegen wird nicht nur das Bild der Eigengruppe bestärkt, sondern die Fremdgruppe noch negativer wahrgenommen. Deshalb wird die Gruppe der VeganerInnen als gefährlich eingestuft und negativ bewertet, wenn es darum geht das eigene Selbstbild und die eigene soziale Identität aufrecht zu erhalten und als positiv zu bewerten.

Diese Zugehörigkeit wird durch den Aufbau einer Distanz zu anderen Gruppen und der Stärkung der Gemeinschaft erreicht. Die bloße Zugehörigkeit zu der Eigengruppe reicht aus, die Fremdgruppe negativer zu bewerten und legt wiederum den Grundstein für verfälschte Wahrnehmungen über die andere Gruppe. Eine Allianz gegen andere Gruppen und Interessen entwickelt sich unweigerlich. Das Verständnis und die Offenheit gegenüber anderen Gruppen und Praktiken rückt in die Ferne und führt zu einer Abgrenzung.

Der Verzehr von Fleisch wird beschönigt und folglich als normal, notwendig und natürlich dargestellt. Tiere werden durch diese Darstellung entwürdigt und abgewertet. Indem sich über Fremdgruppen, hier die Gruppe der VeganerInnen, aber auch die der Spezies Tier, amüsiert wird und die Eigengruppe verherrlicht wird, wächst die Gefahr der Vorurteilsentstehung gegenüber diesen. Beschönigende Aussagen halten die Ideologie des Karnismus und das Glaubenssystem des Speziesismus aufrecht. Die Entstehung von Vorurteilen gegenüber Menschen, die diese Haltung von Tieren nicht unterstützen, wird damit erleichtert.

Diese Konfrontation mit dem Veganismus ruft bei MischköstlerInnen eine kognitive Dissonanz hervor. Sie beschreibt den Drang nach Widerspruchsfreiheit, der in jedem Menschen sitzt. Wir können es schwer ertragen, wenn eine Information an uns tritt, die nicht mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt. Die Gewalt an Tieren, die unsere angeborene Empathie nicht kalt lässt und das widersprüchliche Handeln diese Gewalt zuzulassen und für das eigene Essen die Gewalt an Tieren direkt zu unterstützen, ruft in uns ein Widerspruch aus, den wir so schnell wie möglich entkräften möchten, damit die eigene Vorstellung nicht ins Schwangen gerät.

Wenn Menschen zwei kognitive Wahrnehmungen nicht deckungsgleich übereinanderlegen können, werden Handlungen ausgeführt, die nicht zu den eigenen Gedanken passen. Sie werden passend gemacht, indem sie „wegdiskutiert“ werden, bevor es für die betreffende Person unbehaglich wird. Dies geschieht durch die Rechtfertigung, Ignoranz und Verdrängung von Fakten, um eine Balance zwischen dem Verhalten und den Gedanken wiederherzustellen. Die Dissonanz, zwischen dem Essen von Tieren und der Empathie ihnen gegenüber, wird in Form von unzureichender Aufklärung und der Überzeugung der Glaubenssysteme, vermieden. Die Realität, in der die kognitive Dissonanz auftauchen würde, ist infolgedessen verzerrt dargestellt. Die Darstellung von tierischen Produkten führt zu einer Übereinstimmung der Wahrnehmungen, in welcher der Konsum von Tieren mit den Informationen über sie, stimmig werden. Diese Verschleierung und Manipulation der Wirklichkeit kann zur Abneigung gegenüber der fremden Ideologie des Veganismus führen.

Falls die kognitive Dissonanz zum Vorschein kommt, könnten Unverständnis, Intoleranz, der eigene Gewissenskonflikt, das Gefühl die eigene Komfortzone verlassen zu müssen und sich auf etwas Unbekanntes einzulassen, zu einer Abwertung des Veganismus führen, damit die eigene Wahrnehmung aufrechterhalten bleiben kann.

Hinzu kommt der sogenannte conformation bias. Er sagt aus, dass Menschen Informationen immer so werten und interpretieren, sodass sie noch zu ihren eigenen Überzeugungen passen und eine Anpassung der Überzeugung nicht eintreffen muss. Informationen werden dann so aufgenommen, dass sie mit den eigenen Einstellungen vereinbar sind.

Eine weitere Vorgehensweise ist der Gebrauch von spezieller Sprache. Dabei werden Inhalte mit Worten vermittelt, die in der Gesellschaft positiv besetzt sind. Zudem werden Worte verwendet, die darauf abzielen bestimmte Gruppen anzusprechen. Der Gebrauch von Affirmation ist ebenfalls eine Taktik, mit der Menschen von bestimmten Aussagen überzeugt werden sollen. Dabei wird jegliche Form von Gegensprüchen und Kritik erstickt. Das Verschweigen benennt die letzte Maßnahme, von der sich Medien Gebrauch machen. Gleichwohl wie bedeutend Ereignisse auf der Welt sind, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft hätten oder zu welcher Aufklärung ihre Bekanntmachung führen würde, es wird sich entschieden diese zu verschweigen. Sie werden von den Medien ausgelassen und erreichen nicht die breite Masse. Fehlende Informationen verzerren die Gesamtanschauung der Gesellschaft. Menschen können sich folglich ihre Meinungen nicht filterfrei bilden.

Aus diesen Gründen entsteht aus einer Abneigung gegenüber den Argumenten des Veganismus im nächsten Schritt eine Abwertung gegenüber des Veganismus.

Ein weiterer Grund ist, dass über den Veganismus, abseits der Fehlinformationen, noch zu wenig fundierte und wissenschaftliche Aufklärung im Umlauf ist. Diese gibt es zwar bereits, gelangt aber nicht an die breite Masse. Diese fehlenden Informationen führen im Umkehrschluss dazu, dass sich mit der eigenen Ernährung nicht kritisch auseinandergesetzt wird, weil es dafür ohne Informationen keinen Anlass gibt.

Die Macht der Gewohnheit, die Angst vor etwas Neuem, die Gefahr vor dem Ausschluss der Eigengruppe, das unwohle Gefühl der Rechtfertigung und das Eingestehen eines Richtungswechsel führen zu Ablehnung und negativen Gefühlen gegenüber dem Veganismus, da das leider der einfachste Weg ist.

Zu einer Überzeugung zu stehen, die nicht mit der sozialen Identität übereinstimmt, ruft ein Gefühl hervor, das uns angreifbar macht. Allerdings lohnt es sich für diese Überzeugung einzustehen, denn unseren innersten Gefühle kommen in den Einklang mit unserem Handeln, es stellt sich in Gefühl der Erleichterung ein. Es muss dem eigenem Gewissen nichts mehr vorgespielt werden, die soziale Identität steht nun für eine Ideologie ein, die wir in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben bereits fordern und ausüben. Eine gewaltfreie Ernährung ist befreiend, widerspruchsfrei und entspricht unserer eigentlichen Vorstellung von Moral. Doch vor allem ist sie zeitgemäß und zukunftsfähig. Wir sollten unsere Identität nicht zu sehr von unserer Gruppenzugehörigkeit abhängig machen. Wir müssen uns nicht angegriffen fühlen, wenn die Eigengruppe kritisiert wird. Wir sind eigenständige Individuen, die alle für sich selbst entscheiden sollten, wie sie leben und handeln möchten.

Gegen den Strom zu schwimmen kann manchmal anstrengend sein, doch nicht, weil der Verzicht so groß ist oder die vegane Ernährung bei einem selbst so viel Unsicherheit hervorruft, sondern die Gegenstimmen so laut sind. Für etwas einzustehen von dem man überzeugt ist, das sich mit den eigenen Werten und der Moral deckt, hinter dem man steht und das man als richtigen Weg empfindet, ist weder eine Einbuße, noch schwer nach dieser Überzeugung zu leben. Denn man weiß, wofür man es macht.

Die Angst vor dem Eingestehen oder die Angst vor Veränderung relativiert sich, wenn man diesen Prozess als einen Schritt der Weiterentwicklung und des Wachstums ansieht. Die Veränderung hat immer positive Seiten, die wir erst erfahren, wenn wir sie auch zulassen.

Das Verständnis für die vegane Ernährung wächst in der Gesellschaft und ist mittlerweile etwas anerkannter. Je mehr Aufklärung geleistet wird desto weniger wird das veraltete, gewaltvolle Konstrukt aufrechterhalten. Unsere Empathie zu Artgenossen darf nicht weiter verdrängt werden und Informationen dürfen nicht weiter unbekannt bleiben, denn sonst bleibt die Ignoranz und das Desinteresse für dieses essentielle Thema weiter bestehen.

Es gibt keine überzeugenden Nachteile, eine vegane Ernährung nicht durchzuführen. Häufig wird der Umstand der Umstellung oder die Verpflegung außer Haus angeführt, wieso eine vegane Ernährung nicht möglich sei. Doch das sind, wie die Supplementierung oder der Geschmack Argumente, die aus Gewohnheit und Bequemlichkeit beruhen. Es sind egoistische Argumente, die gegenüber den Folgen des Konsums nicht standhalten können. Nach einigen Wochen weiß man, worauf man achten muss, es gibt immer mehr vegane Angebote, man kann sich immer unterwegs etwas mitnehmen, alles auch in der veganen Version kochen und muss auf nichts verzichten. Die Verantwortung für das eigene Essen zu übernehmen sollte in jeder Ernährung eine Rolle spielen. Nur weil sich vorher keine Gedanken gemacht wurden heißt das nicht, dass sich diese nur bei einer veganen Ernährung gemacht werden müssen. Der größte Nachteil ist die Konfrontation mit Vorurteilen, negativen, intoleranten Denkmustern und Aussagen, gegen die sich gerechtfertigt werden muss.

Auch Biofleisch ist totes Fleisch, es waren Tiere, die ein Recht auf Leben hatten. Gerade wenn Tiere, „ein gutes Leben hatten“ dann wollen sie doch erst recht nicht sterben. Wieso sollte ein gutes Leben ein Grund dafür sein, dieses frühzeitig und unnatürlich zu beenden?

Einem Lebewesen das Leben zu nehmen, weil es gut war, ist paradox. Tiere sind nicht zum Züchten da, haben dasselbe Bedürfnis sich auf natürliche Art und Weise fortzupflanzen wie wir. Niemand würde zu seinem/ihren Haustier oder einem Menschen, der sich nicht wehren kann, hingehen und darauf bestehen dieses/diesen zu töten, weil man Appetit hat oder der Meinung ist, dass das „gute Leben“ nun ausreicht. Dieser pure Egoismus und diese selbst auferlegte Macht steht uns nicht zu. Wir entwickeln uns nicht zurück, wenn wir keine tierischen Produkte verzehren und wir entwickeln uns auch nicht weiter, wenn wir diese essen. Wir sind keine Raubtiere, leben nicht mehr in der Steinzeit und müssen uns endlich eingestehen, dass wir unsere Ernährung unserer modernen Welt anpassen sollten.

Die Gewalt, die Tiere erfahren, wird von den Medien und der Gesellschaft überwiegend toleriert, ignoriert oder befürwortet. Es herrscht eine Gleichgültigkeit, Menschen sind Unbeteiligte, die dennoch aktiv die Gewalt unterstützen, indem sie ihre Empathie deaktivieren, die Gewalt verharmlosen und sich selbst desensibilisieren. Der Vorgang des Tötens und die Verarbeitung der Tiere, die Realität, die in den Schlachthäusern vor sich geht und das Leid, welches die Tiere hinter den Kulissen erfahren, wird von der Fleischindustrie mit Aufwand verborgen. Die Berichterstattungen, sofern sie negativ ausfallen, sprechen von Ausnahmefällen. Es treten keine offiziellen Bilder oder Videos des Inneren von Schlachthäusern oder Mastbetrieben in die Öffentlichkeit, außer, wenn sich Aktivisten nicht rechtens Zugang in die Fabriken verschafft haben. In der Werbung, in Zeitschriften oder in Sendungen wird von der Normalität des Verzehrs tierischer Produkte berichtet. Die Vernebelung der Realität ist hinsichtlich der Fleischproduktion auffällig. Firmen haben keine Scheu davor Desinformationskampagnen, Slogans, in Verherrlichung gedrängt, und Verpackungen von Lebensmittel, mit verzerrten Informationen und Fotos, zu veröffentlichen, um somit die Verbraucher zu täuschen, zu manipulieren und die Nachfrage zu sichern. In Anbetracht der ausgeprägten Vorstellungskraft eines Menschen, seines Erinnerungsvermögens, seiner Verknüpfung von Informationen mit vorangegangenen Erfahrungen, seiner Fähigkeit der Reflexion, seinem Verantwortungsgefühl und seinem Gefühl der Empathie, ist das Fehlen von Wissen oder ablehnen der Wahrheit, gleichwohl welche Rolle die Verzerrungen der Medien haben, keine Entschuldigung für die gegenwärtige stillschweigende Betäubung, Verdrängung und Verleumdung der Realität und des eigenen Gewissens.

Die Verschleierung der Realität ist eine Handlung, die auf Emotionen beruht, welche eine Gefahr in der Fremdgruppe sieht. Schlussfolgernd verschlechtert der bestehende Speziesismus die Emotionen gegenüber dem Veganismus. Der allgegenwärtige Karnismus trägt durch die Rechtfertigung zu einer Emotion bei, die beinhaltet, dass der Veganismus als eine Ernährung wahrgenommen wird, welche die natürlichen Umstände ändern will. So wird er als eine Bedrohung bewertet. Das Empfinden von Scham, ein schlechtes Gewissen, der Verdacht im Unrecht zu sein, die Angst vor Veränderung und das Gefühl der Rechtfertigung, können dazu führen, dass Vorurteile über den Veganismus entstehen.

So führt die Vermittlung von diskriminierenden Einstellungen gegenüber Tieren zu kollektiven Strukturen und gesellschaftlichen Handlungsmustern, die es uns abstrakt, unlogisch und unnatürlich erscheinen lassen uns vegan zu ernähren.

Jede Veränderung hat mal klein angefangen. Viele Veränderungen haben etwas großes bewirkt. Also lass dich nicht abschrecken, lass dir nichts einreden, informier dich, horch in dich rein und sei dir bewusst, dass man alles schaffen kann. Die Ernährung betrifft uns alle und sie ist KEINE persönliche Sache, wenn wir damit anderen Schaden zufügen.

„Be the change you want to see in the world“ (Mahatma Gandhi).

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