Wieso ernÀhren sich Menschen nicht vegan?

Es gibt viele GrĂŒnde, wieso Menschen sich dazu entscheiden vegan zu leben. Viele ĂŒberzeugende GrĂŒnde liegen auf der Hand und werden immer populĂ€rer. Es stellt sich die Frage, woher die Abneigung und scharfe Kritik gegenĂŒber dem Veganismus kommt und welche GrĂŒnde es gibt, wieso Menschen sich nicht vegan ernĂ€hren möchten, wenn bekannt ist, dass es aus ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Aspekten wirksamer wĂ€re dies zu tun.

Einer der ausschlaggebendsten GrĂŒnde gegen den Veganismus sind die Mythen, Halbwahrheiten und Vorurteile, die ĂŒber ihn herrschen. Es gibt unzĂ€hlige Argumente, die wissenschaftlich weder belegt, noch auf schlĂŒssigen Thesen basieren. Dennoch sind sie fest in unserer Gesellschaft verankert und werden immer wieder angefĂŒhrt. Von der Gefahr der MangelernĂ€hrung, ĂŒber die NatĂŒrlichkeit der Tierausbeutung bis hin zur Sojakontroverse sind in allen Bereichen negativ besetzte Argumente vertreten.

Doch warum entstehen sie? Und woher kommen sie?

Eine Vielzahl an Faktoren beeinflussen jeden Menschen und haben dementsprechend Auswirkungen auf die Einstellungs- und Meinungsbildung, sowie die Vorurteilsentstehung. Dazu gehören die Kultur, die Erziehung, die Tradition, die Bildung, die Politik, die Historie, die Wirtschaft, der Glaube, die Medien und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Ideologien und Glaubenssysteme.

Im Laufe des Lebens erlernt jede*r eine Ideologie, die er/sie als normal, richtig und leitend wahrnimmt. Diese Ideologie ist mit Werten, Überzeugungen und Moralvorstellungen besetzt, die antrainiert werden. Die Ideologie, die in unserer Gesellschaft vorherrscht, ist die des Karnismus. Er besagt, dass es normal, natĂŒrlich und notwendig ist, dass wir Tiere essen und ausbeuten. Er rechtfertigt sich auf den GrundzĂŒgen des Speziesismus, der die Spezies aller anderen Tiere, bis auf die des Homo Sapiens diskriminiert, weil falsche, glaubensgeleitete Rechtfertigungen ĂŒber sie in der Gesellschaft geprĂ€gt wurden. Diese Glaubenssysteme sind in allen Bereichen verankert. Sie werden von den Medien, Institutionen, BildungsstĂ€tten und der Politik unterstĂŒtzt. Sie alle halten ein Konstrukt aufrecht, dass so normal scheint, dass es niemand hinterfragt. Dabei bemerkt kaum jemand, dass diese Ideologien veraltet, wissenschaftlich ĂŒberholt und vor allem nicht mit unserer angeborenen Empathie im Einklang steht. Sie wurden nie angepasst. Sie stammen aus einer Zeit, in der die Menschen nicht wussten, dass Tiere uns Ă€hnlicher sind, als wir glauben wollen, Tiere ein zentrales Nervensystem, GefĂŒhle und Emotionen haben oder Leid, Schmerz, Liebe und Zuneigung fĂŒhlen, sie den Wunsch nach Leben verspĂŒren und es ihnen sehr wohl etwas ausmacht, wenn sie getötet werden.

Sie stammen aus einer Zeit, in der die Massentierhaltung kein Alltag war und Menschen auf tierische Produkte angewiesen waren. Sie stammen aus einer Zeit, in der noch keine Informationen ĂŒber die gesundheitlichen Auswirkungen von tierischen Produkten bekannt waren und es noch keine Alternativen gab. Sie stammen aus einer Zeit, in der die Menschen sich selbst um ihre Nahrung gekĂŒmmert haben und die Verbindung zu dem Tier nicht verschleiert oder beschönigt wurde. Sie stammen aus einer Zeit, in der Tiere noch in ihren Lebensraum lebten und die ökologischen Auswirkungen der Tierzucht noch nicht bekannt waren.

Die Menschheit hat sie in allen Bereichen des Lebens weiterentwickelt. FrĂŒher galt Vergewaltigung, Krieg, Versklavung, Rassismus, UnterdrĂŒckung und andere Verbrechen als normal. Diese furchtbaren Praktiken werden heutzutage, im Gegensatz zum Morden von Tieren, als nicht tolerierbar und verachtend angesehen. Schließlich haben sich Denkmuster und Einstellungen, aber vor allem Rechte geĂ€ndert, die diesen Praktiken entgegenstehen. Da der Konsum von Tieren jedoch nur durch Gewalt aufrechterhalten werden kann, wird alles dafĂŒr getan, dass diese als gerechtfertigt angesehen wird. Unsere Gesellschaft bezieht sich auf alte Umweltbedingungen und ignoriert neue Erkenntnisse um ein System zu rechtfertigen, dass schon lĂ€ngst nicht mehr unserer Intelligenz, unseren Rechten, unserem MoralverstĂ€ndnis und unserer Menschlichkeit gerecht wird. Einzig und allein in Bezug zu Tieren wird ein anderes Wertesystem zu Grunde gelegt. Dieses verzerrt unsere Wahrnehmung, die nĂ€mlich sonst nicht zu unseren antrainierten Überzeugungen passen wĂŒrde. 

„Anders“ ist uns fremd, wir haben daher Gruppen entwickelt um uns zugehörig und sicher zu fĂŒhlen und um uns und andere einordnen zu können und die Welt zu verstehen.

Wir gehören alle sozialen Kategorien an. Sie leiten unsere IdentitĂ€t und definieren uns. Wir ordnen uns selbst und andere immer unterbewusst bestimmten Stereotypen und Schubladen zu. Die soziale IdentitĂ€t, die jemand besitzt kann sich im Laufe des Lebens Ă€ndern. Doch in den meisten FĂ€llen ĂŒbernehmen wir die Eigenschaften der Eigengruppe, mit der wir aufgewachsen sind, da wir diese kennen und uns vertraut vorkommt. Sie gibt uns Halt und einen Platz, an den wir gehören. Daher sehen wir diese PrĂ€gung in der Eigengruppe als das einzig Richtige und Normale an. Die Gruppenzugehörigkeit, die Sicherheit in dieser, die Selbstkategorisierung und unsere IdentitĂ€t, die wir ĂŒber diese bezeichnen, fĂŒhren zu einem starken ZugehörigkeitsgefĂŒhl, dass mit vielen Emotionen behaftet ist. Gleichwohl, ob es der Lieblingsfußballverein, der Urlaubsort aus Kindheitstagen, die politischen Interessen, die berufliche Richtung, die kulturellen Interessen oder eben die Essgewohnheiten der Familie sind, wir ĂŒbernehmen diese sozialen Gruppen und IdentitĂ€ten.

Diese Aneignung ist per se nicht schlecht, um den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Doch die kritische Beobachtung, das Hinterfragen, das Reflektieren und das daraus resultierende Handeln bedarf Mut und StÀrke, die wir oft nicht haben. Es ist enorm schwierig aus etwas auszubrechen, von dem man evtl. sein ganzes Leben etwas anderes gedacht hat. Sich selbst einzugestehen, dass der Weg nicht der war, der vorgelebt wurde, nicht der, an den man geglaubt hat und das dieser nicht stimmt, ist ein charakterlicher Umbruch, der um so schwerer fÀllt, wenn man sich mit der Eigengruppe sehr stark identifiziert.

Die Ideologie des Karnismus und des Speziesismus sind nicht nur Glaubenssysteme, mit denen wir aufgewachsen sind, sondern sie gehören zu unserer sozialen IdentitĂ€t. Das fĂŒhrt dazu, dass alle anderen Vorstellungen von NormalitĂ€t als fremd betitelt werden. Andere gelten dann als Fremdgruppe. Die Folge ist, dass man sich in der Eigengruppe, die immerhin die eigene IdentitĂ€t widerspiegelt, unwohl, bedroht und angegriffen fĂŒhlt.

Es liegt in unserer Natur alles dafĂŒr zu tun, dass die eigene Gruppe besser dasteht und dadurch die Fremdgruppe ausgeschlossen wird. Denn Kritik an anderen auszuĂŒben ist deutlich einfacher, als die eigene Gruppe zu hinterfragen. Diese Kritik Ă€ußert sich schließlich in Vorurteilen, ĂŒberzogenen Stereotypen, negativen Einstellungen und Abneigung gegen diese Fremdgruppe. Dieser starke Versuch eine Gruppe, die stark in der Minderheit liegt, schlechter dazustellen, begrĂŒndet sich in der ernsthaften Bedrohung, dass das eigene Weltbild und somit die Eigengruppe zu bröckeln beginnt. Daher tun wir alles dafĂŒr, die omnivore ErnĂ€hrung in den Medien, der Werbung, der Politik, der Kultur, der Industrie und im privaten Kreis als einzig Richtige und natĂŒrliche ErnĂ€hrung darzustellen. Dies gibt ein GefĂŒhl von Sicherheit, ein bestĂ€tigendes GefĂŒhl, dass uns nicht zum Nachdenken verleiten soll. Indem ĂŒber die vegane ErnĂ€hrung negative Schlagzeilen, unwissenschaftliche Aussagen und unzĂ€hlige Vorurteile ĂŒberwiegen wird nicht nur das Bild der Eigengruppe bestĂ€rkt, sondern die Fremdgruppe noch negativer wahrgenommen. Deshalb wird die Gruppe der VeganerInnen als gefĂ€hrlich eingestuft und negativ bewertet, wenn es darum geht das eigene Selbstbild und die eigene soziale IdentitĂ€t aufrecht zu erhalten und als positiv zu bewerten.

Diese Zugehörigkeit wird durch den Aufbau einer Distanz zu anderen Gruppen und der StĂ€rkung der Gemeinschaft erreicht. Die bloße Zugehörigkeit zu der Eigengruppe reicht aus, die Fremdgruppe negativer zu bewerten und legt wiederum den Grundstein fĂŒr verfĂ€lschte Wahrnehmungen ĂŒber die andere Gruppe. Eine Allianz gegen andere Gruppen und Interessen entwickelt sich unweigerlich. Das VerstĂ€ndnis und die Offenheit gegenĂŒber anderen Gruppen und Praktiken rĂŒckt in die Ferne und fĂŒhrt zu einer Abgrenzung.

Der Verzehr von Fleisch wird beschönigt und folglich als normal, notwendig und natĂŒrlich dargestellt. Tiere werden durch diese Darstellung entwĂŒrdigt und abgewertet. Indem sich ĂŒber Fremdgruppen, hier die Gruppe der VeganerInnen, aber auch die der Spezies Tier, amĂŒsiert wird und die Eigengruppe verherrlicht wird, wĂ€chst die Gefahr der Vorurteilsentstehung gegenĂŒber diesen. Beschönigende Aussagen halten die Ideologie des Karnismus und das Glaubenssystem des Speziesismus aufrecht. Die Entstehung von Vorurteilen gegenĂŒber Menschen, die diese Haltung von Tieren nicht unterstĂŒtzen, wird damit erleichtert.

Diese Konfrontation mit dem Veganismus ruft bei MischköstlerInnen eine kognitive Dissonanz hervor. Sie beschreibt den Drang nach Widerspruchsfreiheit, der in jedem Menschen sitzt. Wir können es schwer ertragen, wenn eine Information an uns tritt, die nicht mit unserer Wahrnehmung ĂŒbereinstimmt. Die Gewalt an Tieren, die unsere angeborene Empathie nicht kalt lĂ€sst und das widersprĂŒchliche Handeln diese Gewalt zuzulassen und fĂŒr das eigene Essen die Gewalt an Tieren direkt zu unterstĂŒtzen, ruft in uns ein Widerspruch aus, den wir so schnell wie möglich entkrĂ€ften möchten, damit die eigene Vorstellung nicht ins Schwangen gerĂ€t.

Wenn Menschen zwei kognitive Wahrnehmungen nicht deckungsgleich ĂŒbereinanderlegen können, werden Handlungen ausgefĂŒhrt, die nicht zu den eigenen Gedanken passen. Sie werden passend gemacht, indem sie „wegdiskutiert“ werden, bevor es fĂŒr die betreffende Person unbehaglich wird. Dies geschieht durch die Rechtfertigung, Ignoranz und VerdrĂ€ngung von Fakten, um eine Balance zwischen dem Verhalten und den Gedanken wiederherzustellen. Die Dissonanz, zwischen dem Essen von Tieren und der Empathie ihnen gegenĂŒber, wird in Form von unzureichender AufklĂ€rung und der Überzeugung der Glaubenssysteme, vermieden. Die RealitĂ€t, in der die kognitive Dissonanz auftauchen wĂŒrde, ist infolgedessen verzerrt dargestellt. Die Darstellung von tierischen Produkten fĂŒhrt zu einer Übereinstimmung der Wahrnehmungen, in welcher der Konsum von Tieren mit den Informationen ĂŒber sie, stimmig werden. Diese Verschleierung und Manipulation der Wirklichkeit kann zur Abneigung gegenĂŒber der fremden Ideologie des Veganismus fĂŒhren.

Falls die kognitive Dissonanz zum Vorschein kommt, könnten UnverstĂ€ndnis, Intoleranz, der eigene Gewissenskonflikt, das GefĂŒhl die eigene Komfortzone verlassen zu mĂŒssen und sich auf etwas Unbekanntes einzulassen, zu einer Abwertung des Veganismus fĂŒhren, damit die eigene Wahrnehmung aufrechterhalten bleiben kann.

Hinzu kommt der sogenannte conformation bias. Er sagt aus, dass Menschen Informationen immer so werten und interpretieren, sodass sie noch zu ihren eigenen Überzeugungen passen und eine Anpassung der Überzeugung nicht eintreffen muss. Informationen werden dann so aufgenommen, dass sie mit den eigenen Einstellungen vereinbar sind.

Eine weitere Vorgehensweise ist der Gebrauch von spezieller Sprache. Dabei werden Inhalte mit Worten vermittelt, die in der Gesellschaft positiv besetzt sind. Zudem werden Worte verwendet, die darauf abzielen bestimmte Gruppen anzusprechen. Der Gebrauch von Affirmation ist ebenfalls eine Taktik, mit der Menschen von bestimmten Aussagen ĂŒberzeugt werden sollen. Dabei wird jegliche Form von GegensprĂŒchen und Kritik erstickt. Das Verschweigen benennt die letzte Maßnahme, von der sich Medien Gebrauch machen. Gleichwohl wie bedeutend Ereignisse auf der Welt sind, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft hĂ€tten oder zu welcher AufklĂ€rung ihre Bekanntmachung fĂŒhren wĂŒrde, es wird sich entschieden diese zu verschweigen. Sie werden von den Medien ausgelassen und erreichen nicht die breite Masse. Fehlende Informationen verzerren die Gesamtanschauung der Gesellschaft. Menschen können sich folglich ihre Meinungen nicht filterfrei bilden.

Aus diesen GrĂŒnden entsteht aus einer Abneigung gegenĂŒber den Argumenten des Veganismus im nĂ€chsten Schritt eine Abwertung gegenĂŒber des Veganismus.

Ein weiterer Grund ist, dass ĂŒber den Veganismus, abseits der Fehlinformationen, noch zu wenig fundierte und wissenschaftliche AufklĂ€rung im Umlauf ist. Diese gibt es zwar bereits, gelangt aber nicht an die breite Masse. Diese fehlenden Informationen fĂŒhren im Umkehrschluss dazu, dass sich mit der eigenen ErnĂ€hrung nicht kritisch auseinandergesetzt wird, weil es dafĂŒr ohne Informationen keinen Anlass gibt.

Die Macht der Gewohnheit, die Angst vor etwas Neuem, die Gefahr vor dem Ausschluss der Eigengruppe, das unwohle GefĂŒhl der Rechtfertigung und das Eingestehen eines Richtungswechsel fĂŒhren zu Ablehnung und negativen GefĂŒhlen gegenĂŒber dem Veganismus, da das leider der einfachste Weg ist.

Zu einer Überzeugung zu stehen, die nicht mit der sozialen IdentitĂ€t ĂŒbereinstimmt, ruft ein GefĂŒhl hervor, das uns angreifbar macht. Allerdings lohnt es sich fĂŒr diese Überzeugung einzustehen, denn unseren innersten GefĂŒhle kommen in den Einklang mit unserem Handeln, es stellt sich in GefĂŒhl der Erleichterung ein. Es muss dem eigenem Gewissen nichts mehr vorgespielt werden, die soziale IdentitĂ€t steht nun fĂŒr eine Ideologie ein, die wir in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben bereits fordern und ausĂŒben. Eine gewaltfreie ErnĂ€hrung ist befreiend, widerspruchsfrei und entspricht unserer eigentlichen Vorstellung von Moral. Doch vor allem ist sie zeitgemĂ€ĂŸ und zukunftsfĂ€hig. Wir sollten unsere IdentitĂ€t nicht zu sehr von unserer Gruppenzugehörigkeit abhĂ€ngig machen. Wir mĂŒssen uns nicht angegriffen fĂŒhlen, wenn die Eigengruppe kritisiert wird. Wir sind eigenstĂ€ndige Individuen, die alle fĂŒr sich selbst entscheiden sollten, wie sie leben und handeln möchten.

Gegen den Strom zu schwimmen kann manchmal anstrengend sein, doch nicht, weil der Verzicht so groß ist oder die vegane ErnĂ€hrung bei einem selbst so viel Unsicherheit hervorruft, sondern die Gegenstimmen so laut sind. FĂŒr etwas einzustehen von dem man ĂŒberzeugt ist, das sich mit den eigenen Werten und der Moral deckt, hinter dem man steht und das man als richtigen Weg empfindet, ist weder eine Einbuße, noch schwer nach dieser Überzeugung zu leben. Denn man weiß, wofĂŒr man es macht.

Die Angst vor dem Eingestehen oder die Angst vor VerÀnderung relativiert sich, wenn man diesen Prozess als einen Schritt der Weiterentwicklung und des Wachstums ansieht. Die VerÀnderung hat immer positive Seiten, die wir erst erfahren, wenn wir sie auch zulassen.

Das VerstĂ€ndnis fĂŒr die vegane ErnĂ€hrung wĂ€chst in der Gesellschaft und ist mittlerweile etwas anerkannter. Je mehr AufklĂ€rung geleistet wird desto weniger wird das veraltete, gewaltvolle Konstrukt aufrechterhalten. Unsere Empathie zu Artgenossen darf nicht weiter verdrĂ€ngt werden und Informationen dĂŒrfen nicht weiter unbekannt bleiben, denn sonst bleibt die Ignoranz und das Desinteresse fĂŒr dieses essentielle Thema weiter bestehen.

Es gibt keine ĂŒberzeugenden Nachteile, eine vegane ErnĂ€hrung nicht durchzufĂŒhren. HĂ€ufig wird der Umstand der Umstellung oder die Verpflegung außer Haus angefĂŒhrt, wieso eine vegane ErnĂ€hrung nicht möglich sei. Doch das sind, wie die Supplementierung oder der Geschmack Argumente, die aus Gewohnheit und Bequemlichkeit beruhen. Es sind egoistische Argumente, die gegenĂŒber den Folgen des Konsums nicht standhalten können. Nach einigen Wochen weiß man, worauf man achten muss, es gibt immer mehr vegane Angebote, man kann sich immer unterwegs etwas mitnehmen, alles auch in der veganen Version kochen und muss auf nichts verzichten. Die Verantwortung fĂŒr das eigene Essen zu ĂŒbernehmen sollte in jeder ErnĂ€hrung eine Rolle spielen. Nur weil sich vorher keine Gedanken gemacht wurden heißt das nicht, dass sich diese nur bei einer veganen ErnĂ€hrung gemacht werden mĂŒssen. Der grĂ¶ĂŸte Nachteil ist die Konfrontation mit Vorurteilen, negativen, intoleranten Denkmustern und Aussagen, gegen die sich gerechtfertigt werden muss.

Auch Biofleisch ist totes Fleisch, es waren Tiere, die ein Recht auf Leben hatten. Gerade wenn Tiere, „ein gutes Leben hatten“ dann wollen sie doch erst recht nicht sterben. Wieso sollte ein gutes Leben ein Grund dafĂŒr sein, dieses frĂŒhzeitig und unnatĂŒrlich zu beenden?

Einem Lebewesen das Leben zu nehmen, weil es gut war, ist paradox. Tiere sind nicht zum ZĂŒchten da, haben dasselbe BedĂŒrfnis sich auf natĂŒrliche Art und Weise fortzupflanzen wie wir. Niemand wĂŒrde zu seinem/ihren Haustier oder einem Menschen, der sich nicht wehren kann, hingehen und darauf bestehen dieses/diesen zu töten, weil man Appetit hat oder der Meinung ist, dass das „gute Leben“ nun ausreicht. Dieser pure Egoismus und diese selbst auferlegte Macht steht uns nicht zu. Wir entwickeln uns nicht zurĂŒck, wenn wir keine tierischen Produkte verzehren und wir entwickeln uns auch nicht weiter, wenn wir diese essen. Wir sind keine Raubtiere, leben nicht mehr in der Steinzeit und mĂŒssen uns endlich eingestehen, dass wir unsere ErnĂ€hrung unserer modernen Welt anpassen sollten.

Die Gewalt, die Tiere erfahren, wird von den Medien und der Gesellschaft ĂŒberwiegend toleriert, ignoriert oder befĂŒrwortet. Es herrscht eine GleichgĂŒltigkeit, Menschen sind Unbeteiligte, die dennoch aktiv die Gewalt unterstĂŒtzen, indem sie ihre Empathie deaktivieren, die Gewalt verharmlosen und sich selbst desensibilisieren. Der Vorgang des Tötens und die Verarbeitung der Tiere, die RealitĂ€t, die in den SchlachthĂ€usern vor sich geht und das Leid, welches die Tiere hinter den Kulissen erfahren, wird von der Fleischindustrie mit Aufwand verborgen. Die Berichterstattungen, sofern sie negativ ausfallen, sprechen von AusnahmefĂ€llen. Es treten keine offiziellen Bilder oder Videos des Inneren von SchlachthĂ€usern oder Mastbetrieben in die Öffentlichkeit, außer, wenn sich Aktivisten nicht rechtens Zugang in die Fabriken verschafft haben. In der Werbung, in Zeitschriften oder in Sendungen wird von der NormalitĂ€t des Verzehrs tierischer Produkte berichtet. Die Vernebelung der RealitĂ€t ist hinsichtlich der Fleischproduktion auffĂ€llig. Firmen haben keine Scheu davor Desinformationskampagnen, Slogans, in Verherrlichung gedrĂ€ngt, und Verpackungen von Lebensmittel, mit verzerrten Informationen und Fotos, zu veröffentlichen, um somit die Verbraucher zu tĂ€uschen, zu manipulieren und die Nachfrage zu sichern. In Anbetracht der ausgeprĂ€gten Vorstellungskraft eines Menschen, seines Erinnerungsvermögens, seiner VerknĂŒpfung von Informationen mit vorangegangenen Erfahrungen, seiner FĂ€higkeit der Reflexion, seinem VerantwortungsgefĂŒhl und seinem GefĂŒhl der Empathie, ist das Fehlen von Wissen oder ablehnen der Wahrheit, gleichwohl welche Rolle die Verzerrungen der Medien haben, keine Entschuldigung fĂŒr die gegenwĂ€rtige stillschweigende BetĂ€ubung, VerdrĂ€ngung und Verleumdung der RealitĂ€t und des eigenen Gewissens.

Die Verschleierung der RealitĂ€t ist eine Handlung, die auf Emotionen beruht, welche eine Gefahr in der Fremdgruppe sieht. Schlussfolgernd verschlechtert der bestehende Speziesismus die Emotionen gegenĂŒber dem Veganismus. Der allgegenwĂ€rtige Karnismus trĂ€gt durch die Rechtfertigung zu einer Emotion bei, die beinhaltet, dass der Veganismus als eine ErnĂ€hrung wahrgenommen wird, welche die natĂŒrlichen UmstĂ€nde Ă€ndern will. So wird er als eine Bedrohung bewertet. Das Empfinden von Scham, ein schlechtes Gewissen, der Verdacht im Unrecht zu sein, die Angst vor VerĂ€nderung und das GefĂŒhl der Rechtfertigung, können dazu fĂŒhren, dass Vorurteile ĂŒber den Veganismus entstehen.

So fĂŒhrt die Vermittlung von diskriminierenden Einstellungen gegenĂŒber Tieren zu kollektiven Strukturen und gesellschaftlichen Handlungsmustern, die es uns abstrakt, unlogisch und unnatĂŒrlich erscheinen lassen uns vegan zu ernĂ€hren.

Jede VerĂ€nderung hat mal klein angefangen. Viele VerĂ€nderungen haben etwas großes bewirkt. Also lass dich nicht abschrecken, lass dir nichts einreden, informier dich, horch in dich rein und sei dir bewusst, dass man alles schaffen kann. Die ErnĂ€hrung betrifft uns alle und sie ist KEINE persönliche Sache, wenn wir damit anderen Schaden zufĂŒgen.

„Be the change you want to see in the world“ (Mahatma Gandhi).

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